Aufarbeitung

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Musikempfehlung:
Keimzeit – Mama sag mir warum


zu der Bilderserie schrieb eine anonyme Künstlerin:

Rattenschicksal

Ich sehe die Ratte erst, als sie schon fast an meinem rechten Zeh ist und es zu spät ist zu reagieren, bevor sie mich erreicht, also verharre ich und fixiere sie, während sie näherkommt.

Ich spüre sie auf meinem Fuß. Ihre kleinen Pfoten setzen sich langsam voreinander und beginnen sich in meine weiße Haut zu krallen, als sie schließlich mein Bein hochklettert und der Schwerkraft widersteht. Ich schaue an mir herunter und bewundere ihren Tatendrang und die Kraft, mit denen sie sich aufwärts kämpft, bis sie meinen Bauch erreicht. Ihre kleinen, schwarz glänzenden Knopfaugen brennen sich in meine, sie kommt meinem Kopf immer näher und ich breite die Arme aus, heiße sie willkommen auf meiner Landschaft namens Körper, wissend, dass ich keine Wahl habe.

So erreicht sie mein Kinn und ich muss mich anstrengen, um ihre Augen noch zu sehen. Sie bleibt stehen, wir verharren in diesem Moment und als würde sie mir eine Eingebung schenken, öffne ich meinen Mund, während sie weiter losläuft und ich sie hereinlasse in die Dunkelheit meines Lebens, die Bitterkeit des Schicksals in mich aufnehmend, hinnehmend, wie sie mit ihrem pelzigen Fell meine Zunge vollendet, sie mir den Geschmack eines neuen Schmerzes schenkt, der mir Tränen in die Augen brennt und mir den Atem nimmt. Ich spüre, wie sie sich in meinem warmen Wald einnistet, tief drinnen versteckt, auf dass niemand sie findet und mich in meinem Herzen zwingt, gegen die Scherben vorwärts zu laufen.